Blog: Nepal Frühling 2015


Am 30. April ist Herr Dr. Lohmann sicher und gesund wieder in Berlin gelandet. Von seinen Erlebnissen in Nepal können Sie sich in diesem Blog ein Bild machen.

1996 gründete der gemeinnützige Verein INTERPLAST Germany
e. V. ein medizinisches Hilfsprojekt für Plastische Chirurgie in Kathmandu. In Kooperation mit dem nepalesischen Partner Sushma Koirala Memorial Trust wurde das Sushma Koirala Memorial Hospital (SKM-Hospital) in Sankhu eröffnet. Es trägt sich fast ausschließlich aus privaten Geld- und Sachspenden, die überwiegend aus Deutschland kommen. Zusätzlich wird das Projekt durch den vielfältigen ehrenamtlichen Einsatz vieler engagierter Ärzte und Helfer, die nach Nepal reisen, unterstützt. Alle ausländischen Ärzte und Fachkräfte arbeiten ausschließlich ehrenamtlich unentgeltlich und zahlen in der Regel ihre Flüge selbst. Auch die benötigten Lebensmittel und Getränke für das Frühstück und Abendessen bringen die ehrenamtlichen Helfer von zu Hause mit.

Bereits im Herbst 2014 reiste Dr. Rüdiger Lohmann für zwei Wochen nach Nepal, um dieses Projekt zu unterstützen. Kein halbes Jahr später, am 16. April 2015, hat er sich zusammen mit Dr. Hussman wieder auf den Weg nach Nepal gemacht. In diesem Blog berichtet Dr. Lohmann täglich von seinen Erfahrungen und beschreibt die Verhältnisse im Krankenhaus und im Camp.

Weitere Informationen zu dem Hilfsprojekt finden Sie hier: http://www.nepalhospital.de/


Situation in Sankhu kurz nach dem Beben, Erstversorgung

In der Nähe des Krankenhauses in Sankhu sind viele Häuser zerstört. Von Momo, einer Krankenhausmitarbeiterin, die sich um die ausländischen Gäste kümmert, sind acht Familienangehörige ums Leben gekommen. Viele Mitarbeiter haben ihre Häuser verloren. Mehr als 50 Menschen werden dort noch vermisst.
Hein Stahl hat ja die ersten Stunden nach dem Erdbeben auf der Website des Krankenhauses beschrieben. Da auf absehbare Zeit dort kein Internet zur Verfügung steht, werden wenig neue Nachrichten von Hein kommen.

Mittlerweile ist wieder mehr Routine in den Krankenhausbetrieb eingekehrt. Die Patienten, die in der Garage unterkommen mussten, wurden mittlerweile verlegt. In den nächsten Wochen werden noch viele Frakturen operiert. Aktuell ist Verbandsmaterial knapp und Implantate und Schrauben sowie Nägel für die Unfallchirurgie fehlen.


Tag 12 - Kathmandu und Sankhu Krankenhaus

Wir fuhren schon früh am Morgen von unserem Hotel los. Nach nur einer halben Stunde sind wir jedoch zum Frühstück in einem kleinen Restaurant eingekehrt. Bei Tee und Keksen waren wir voller Erwartung, was uns der Tag bringen würde.

Je näher wir nach Kathmandu kamen, desto mehr Busse, die bis aufs Dach mit Menschen gefüllt waren, kamen uns entgegen. Etwa vier Stunden vor Kathmandu haben wir noch einen langen Stopp gemacht, um Lebensmittel und Wasser einzukaufen. Wir hatten mehrere hundert Kilo Reis im Gepäck. Die Stimmung war etwas gedrückt, da niemand wusste, was ihn wirklich erwartet. Bei zwei der 14 Mitreisenden war ja das Haus komplett zerstört.

Als wir die Gebiete erreichten, in denen die ersten Häuser zerstört waren, hatten die Menschen aus Planen provisorische Zelte aufgebaut und ihre Betten hineingestellt. Auch zwischen LKWs waren Planen aufgespannt unter denen Menschen saßen. Uns kamen aus Kathmandu dann vor allem volle Busse entgegen, nach Kathmandu hin fuhren LKWs mit Nahrungsmitteln und leere Busse

In den Außenbezirken von Kathmandu waren einige Häuser zerstört und auf den Freiflächen standen auch provisorische Zelte. Die Stadt war insgesamt sehr leer, die meisten Geschäfte hatten geschlossen. Der Verkehr lief sehr ruhig und in den offenen Geschäften und an den Ständen gab es Lebensmittel zu kaufen. Auf dem Weg stiegen dann die meisten einheimischen Campteilnehmer mit ihrem Gepäck und den gekauften Lebensmitteln aus und wurden von Familienangehörigen abgeholt.

In der Nähe unseres Krankenhauses waren vor allem sehr alte Häuser kaputt. Auf einer Wiese war eine türkische Suchtruppe einquartiert die nach Erdbebenopfern gesucht hat.

Im Krankenhaus wurden wir sehr herzlich empfangen. Besonders Hein Stahl war sehr froh, dass sein ganzes Team wieder zuhause war. Am Abend vorher war ein Interplast-Team eingetroffen, das sich am Sonntag in Deutschland auf den Weg gemacht hatte. Es waren zwei Chirurgen und zwei Anästhesisten. Mit ihnen haben wir dann den Abend verbracht und uns alle gefreut, dass wir gesund waren.


Tag 11 - Rückfahrt nach Kathmandu

Heute sind wir um 5:15 Uhr aufgestanden und um 6:00 Uhr ging es los nach Kathmandu. Leider hat vieles nicht so geklappt, wie geplant. Da es in den letzten Tagen viel geregnet hatte, waren die Straßen teilweise in sehr schlechtem Zustand. An einer steilen Stelle war bei einem LKW das Differential gebrochen, deshalb konnten Busse und LKW nicht mehr weit genug ausholen und kamen nicht den matschigen Berg hinauf. Wir saßen also fest. Zum Glück hatte einer der LKW einen Bagger geladen. Dieser wurde auf sehr unkonventionelle Weise entladen und der Baggerführer, er sah nicht älter aus als 16, baute in einer halben Stunde die Straße wieder auf. Wir waren alle sehr beeindruckt.  Ein Bus, der es auch auf der neuen Schotterpiste nicht schaffte, da er zu lang war und hinten aufsetzte, zog er einfach den Berg hinauf. Nach ca. einer Stunde konnten wir dann die Stelle passieren.

Leider hatten wir dann auch noch eine Reifenpanne, bereits die zweite auf der Strecke und ein kleines Indiz für den Zustand der Straßen, so dass wir viel Zeit verloren. Der Flieger, den Jürgen und ich geplant hatten, war realistisch nicht mehr zu erreichen.
Wir haben uns daher entschieden, beim Team zu bleiben und gemeinsam nach Kathmandu zu fahren. Im nächsten größeren Ort wurde dann der defekte Reifen repariert und wieder gegen das Ersatzrad ausgetauscht. Dann ging es weiter.

Gegen 20:00 Uhr sind wir recht erschöpft in Butwal, ca. 30km von der indischen Grenze entfernt, angekommen. Im Hotel konnte ich wieder einmal richtig duschen. Beim Abendbrot haben wir Nachrichten ausgetauscht. In unserem Krankenhaus ist schon ein Team von Unfallchirurgen aus Deutschland eingetroffen. In den nächsten Tagen werden alle Patienten operiert. Ein großes Problem ist, dass am Flughafen viele Hilfsgüter und Teams warten, die Regierung aber nicht in der Lage ist, die Hilfe zu koordinieren. Vieles kommt nicht bei den Menschen an.


Tag 10 - Der Tag nach dem Erdbeben

Am Sonntag endete unsere Nacht bereits um 4:30 Uhr. Ein kleines Erdbeben erschütterte unser Hotel und viele Gäste flüchteten schreiend aus ihren Zimmern. Ich muss gestehen, dass ich erst von den Geräuschen wach geworden bin. Bei uns ist aber nichts passiert.

Nach dem Frühstück ging es ins Camp, dort haben wir sofort angefangen zu operieren. Die Mitarbeiter aus Nepal standen in ständigem Kontakt mit ihren Angehörigen. Von zwei Kollegen sind die Häuser zerstört worden, die Familienangehörigen sind aber glücklicherweise nicht verletzt. In unserem Krankenhaus wurden ca. 75 Patienten aufgenommen, leider haben einige von ihnen nicht überlebt. Die Kollegen vor Ort (Napali und Deutsche) haben unaufhörlich gearbeitet.

Auf den Fernsehbildern haben wir die Zerstörung in Kathmandu, aber auch in vielen anderen Regionen Nepals gesehen. Die Tempel am Durbar Square hatten Jürgen Hussmann und ich weniger als 72 Stunden vor der kompletten Zerstörung besucht. In Bhaktapur waren wir letztes Jahr am ersten Advent.

Am Mittag wurde dann entschieden, dass wir uns auf den Weg zurück nach Kathmandu machen. Das Camp wurde also abgebrochen. Bis ca. 19:30 Uhr haben wir noch alle Patienten des Tages operiert, dann wurde zusammengepackt. Während einer Operation gab es beim Anlegen des Verbandes wieder ein kleines Erdbeben, aber unsere Gebäude trugen keine Schäden davon.

Bis 22:00 Uhr wurden alle Sachen gepackt und auf den Bus geladen. Nach einem kurzen Abendessen ging es ins Bett, da wir früh aufstehen wollten.


Tag 9 - Erdbeben

Am Morgen sind wir gleich früh ins Krankenhaus gefahren. Das Wetter war ein Desaster, es regnete in Strömen. Trotzdem haben schon die ersten Patienten gewartet. Sie waren um vier Uhr morgens zu Hause losgelaufen und nach fünf Stunden Fußmarsch im Krankenhaus angekommen. In einem Gebäude des Krankenhauses haben wir uns einen Untersuchungsraum eingerichtet. Zu Beginn hatten wir nur minutenweise Strom, so dass wir Kerzen aufgestellt haben und die Patienten beim Schein von Mobiltelefonen untersucht haben.

Bis zum Mittag haben wir viele Patienten, mit zum Teil abenteuerlichen Erkrankungen und Folgen von Verbrennungen, gesehen. Für einige haben wir sofort Termine für eine Operation am selben Tag oder an den Folgetagen vereinbart. Patienten, die eine komplexere Operation benötigen, haben wir ins Krankenhaus einbestellt. Bei einigen Patienten konnten wir keine Hilfe anbieten: Akute Bauchschmerzen, psychiatrische Probleme, kleine Narben oder Verstümmlungen, bei denen man nichts mehr verbessern kann.

Gegen Mittag wollten Jürgen Hussmann und ich dann in eine Hütte etwas Essen gehen, als auf dem Weg dorthin die Erde anfing zu wackeln. Es war wie auf dem Jahrmarkt, wenn man über eine sich bewegende Platte geht.
Die Menschen rannten sofort aus den Häusern und schrieen. Die Stromleitungen wackelten. Nach wenigen Stößen war es jedoch vorbei, so dass wir essen gegangen sind.

Auf dem Rückweg, wir wollten gleich anfangen zu operieren, kamen uns Teammitglieder in heller Aufregung und mit panischen Gesichtern entgegen. Sie hatten aus Kathmandu die Nachricht erhalten, dass dort ein starkes Erdbeben war. In der Apotheke der Klinik gab es einen Fernseher, auf dem die ersten Nachrichten liefen. Die Ärzte und Schwestern versuchten verzweifelt, Ihre Familien zu erreichen. Das gesamte Handynetz war zusammengebrochen. Nach vielen Versuchen haben dann die Ersten ihre Familien erreicht. Für etwa eine Stunde wurde pausenlos versucht, zu telefonieren. Die Gesichter der Menschen waren voller Panik und Angst. Wir haben auch versucht, unser Krankenhaus in der Nähe von Sankhu zu erreichen. Allen Mitarbeitern und Kollegen, auch aus Deutschland, ging es gut. Die Patienten strömen in die Klinik.

Wir haben dann auch unsere Familien in Deutschland angerufen, um zu berichten, dass es ein Erdbeben gab und es uns gut ging. Da es in Deutschland früher Samstagmorgen war, hatten die Familien noch nichts gehört. Die nächsten Stunden haben wir dann damit verbracht, Fernsehen zu schauen und zu überlegen, ob wir sofort ins Krankenhaus zurückfahren sollten. Die Fahrt dauert zwei Tage. Wir entschieden dann, uns erst einmal um die Patienten hier vor Ort zu kümmern. Am Nachmittag haben wir dann noch sehr viele Patienten gesehen, in der Summe über hundert, und für den kommenden Tag die ersten Operationen geplant.


Tag 8 - Reifenpanne und Einrichtung des Camps

Am Morgen klopfte es um 5:45 Uhr an der Tür: Wir sollten uns zum Frühstück fertig machen. Abfahrt war dann um 7:00 Uhr. Nach ca. einer Stunde ging es in die Berge und wir fuhren auf einer sehr interessanten Straße über Schotterpisten und durch Flüsse in den Bezirk Rukum. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit wird nicht über 20km/h gelegen haben.

Am Vormittag haben wir eine Teepause in einem Café gemacht, neben dem ein kleines Hospital war. Wir haben einen der Ärzte gefragt, ob wir es uns ansehen dürfen. So haben wir eine Tour durch ein Krankenhaus mit nur einem Stationszimmer bekommen. Aber trotz der einfachen Verhältnisse haben die Patienten zumindest die Chance, eine Behandlung zu bekommen.

Dann stellte sich heraus, dass bei unserem Bus ein Reifen repariert werden musste. In einer Werkstatt wurde dieser dann inmitten von viel Staub und Sand gewechselt. Auch das war beeindruckend. Wir konnten in der Zeit einen Rundgang durch die kleine Stadt machen. Anschließend ging es für ca. fünf Minuten weiter, bis der nächste Halt für die Mittagspause eingelegt wurde.

Durch Täler mit imposanten Terrassen, welche vermutlich über viele Jahrhunderte angelegt worden sind, ging es dann über viele Pässe nach Musikot.

Hier gibt es nur wenige richtige Straßen und unser Hotel liegt an einem nicht befahrbaren Weg, so dass wir unser Gepäck einen Geröllweg hinabgetragen mussten. Aber das Hotel hat überraschenderweise Internet, zwar nur minutenweise und wenn nicht gerade der Strom ausgefallen ist, aber immerhin. Es ist für nepalesische Verhältnisse sehr luxuriös. Nach einem Tee sind wir dann ins Krankenhaus gefahren. Während eines Gewitters haben wir gemeinsam den Bus entladen und angefangen, den OP zu beziehen. Bis das Notstromaggregat lief, hat es etwas gedauert und das Team hat im Schein der Mobiltelefone gearbeitet. Bis wir einen funktionsfähigen OP haben, ist noch einiges zu tun.

Um 19:30 Uhr ging es dann zurück zum Hotel und nach einem Bier haben wir Abendbrot gegessen. Morgen früh um 7:30 Uhr geht es weiter. Ab 9:00 Uhr wollen wir Patienten untersuchen.


Abfahrt

Tag 7 - Fahrt zum Camp

Um 05:15 Uhr früh haben wir uns zum kurzen Frühstück getroffen.
Anders als im Herbst, war es dieses Mal schon hell. Punkt sechs Uhr ging es dann los ins Camp nach Musikot im Bezirk Rukum. Rukum war in der Zeit der Maoisten eine Hochburg der Revolution und sehr schwer zu erreichen. Erst in den letzten Jahren wurden Straßen in diese Region gebaut. Da die Gegend aber weiterhin sehr, sehr abgeschieden ist, gibt es in Rukum fast keine medizinische Spezialversorgung.

Auf dem Weg nach Kathmandu haben wir dann das ganze Team eingesammelt. Die Fahrt über die Berge war wieder sehr aufregend. Als wir wieder im Terai waren, konnten wir die Weite des Landes genießen.

 
 

Auf den Straßen war wieder alles unterwegs: PKW, Busse, Lastwagen, Fahrräder, Motorräder, Rikschas, Pferdekarren, Traktoren, Pferde mit Reitern und Fußgänger als Lastenträger. In jedem Ort konnten wir besondere Szenen beobachten: Menschen beim Frisör, wie Wasser aus Brunnen gezogen wurde, Schneider, die im Eingang ihrer Läden genäht haben, Häuser, die mit Gerüsten aus Bambus gebaut wurden, Messerschleifer (natürlich mit offen liegendem Treibriemen) und Menschen, die sich in Flüssen oder an Wasserstellen gewaschen haben.

In den Dörfern, wenn wir langsam fahren mussten, trafen uns immer wieder erstaunte Blicke, vor allem Vivien mit ihren langen blonden Haaren, die am Fenster hinter mir saß und mich. Viele Menschen schienen nicht glauben zu können, was das für komische Wesen im Bus sind.

Am Abend sind wir dann um 20:15 Uhr, nach vielen Stopps in den aufregendsten Restaurants (und interessanten hygienischen Bedingungen), in unserem Hotel angekommen. Dort haben wir noch etwas zu essen bekommen. Dr. Hussmann und ich haben uns wieder ein Zimmer geteilt. Glücklicherweise hatte unsere Toilette eine Dusche, so dass ich mir den Staub des Tages, besonders aus den Haaren, waschen konnte. Die Toilette ist dann in der Regel für die nächsten Stunden nicht betretbar, da alles nass ist, denn es gibt keine Duschkabine oder Vorhang.


Tag 6 - Kathmandu und das Haus der Kumari

Nach dem Frühstück und der Morgenvisite habe ich den Vormittag damit zugebracht, alle aktuellen Patienten in Checkpad MED aufzunehmen. Das war etwas Arbeit, besonders da mir die ganzen Namen hier sehr fremd sind.
Interessanterweise hießen viele Patienten Sherpa. Das ist wohl eine Mischung aus Berufsbezeichnung und Name. Vivien, eine Krankenschwester aus Kiel, hat dann beim Verbandswechsel die ersten Fotos mit Checkpad gemacht.
Das Team, das mit ins Camp fährt, hat praktisch den ganzen Tag mit Packen verbracht.

Am Nachmittag sind Dr. Hussmann und ich nach Kathmandu gefahren. Wir haben uns den alten Palastdistrikt angesehen und waren im Haus der Kumari. Das ist ein Mädchen, welches, meist im Alter von drei oder vier Jahren, aufgrund ihrer Schönheit ausgesucht wird. Ihre Aufgabe ist es dann, bis zur Pubertät hübsch zu sein und sich ab und zu der Öffentlichkeit zu zeigen und ggf. ihre Meinung zu äußern. Der Spuk endet mit der Pubertät. Die armen Mädchen haben dann weder Ausbildung noch Schulbildung und verarmen nicht selten.

Anschließend sind wir mit Rikschas in den Bezirk Thamel gefahren. Dies ist ein Bereich, in dem viele Studenten wohnen und wo entsprechend viele Restaurants und Läden sind. Das ist quasi der Prenzlauer Berg von Kathmandu.
Bevor wir uns dann auf in die Einfachheit des Camps einstellen müssen, waren wir noch in einem der besten Cafes in Kathmandu und haben einen Cappuccino und einen Cafe Latte mit Käsekuchen und Blaubeeren genossen. Mit dem Taxi ging es dann bei strömendem Regen zurück ins Krankenhaus.

Hein hat am Abend zum Abschied noch Spätzle gekocht. Dann mussten wir packen, da es am nächsten morgen früh losgehen sollte.


Tag 5 - Erste Patienten in Checkpad MED

Heute war der Tag des Customizing’s von Checkpad MED. Ich habe mir eine Stationsbelegung besorgt und die Stationen des Krankenhauses mit allen Betten in der Software abgebildet. Alle Oberflächen wurden übersetzt und am Aufnahmetool fleißig gearbeitet. In einer dreistündigen HipChat-Konferenz mit David Leuschner haben wir alle Infos ausgetauscht und über den Tag wurde in Freiburg und Kathmandu an der Version gearbeitet. Am Abend waren dann die ersten Patienten in Checkpad MED aufgenommen! Der Server bereitet noch einige Probleme, da er sich manchmal im Halbstundentakt ausschaltet und wieder hochfährt. Den Grund dafür haben wir allerdings noch nicht gefunden. Auch das Stromnetz sollte eigentlich stabil genug sein. Da der Rechner ganz neu ist, kann es auch ein Fehler in einem Speicherbaustein sein. Wir beobachten das jetzt erst einmal.

Am Nachmittag wurde ein Gesundheitserziehungsprogramm abgehalten. Im Anschluss wollten einige Kinder etwas aufführen, so dass wir Pantomime und Tanz mit Gesang bewundern konnten. Im Anschluss hat Trudi dann in Deutschland gespendete Stofftiere an die Kinder verschenkt, was zu sehr großer Freude bei den Kindern und deren Angehörigen geführt hat.

Abends fand dann das Abschiedsessen für Uwe aus Dresden und Uta aus Ludwigshafen statt.


Commitee Meeting

Tag 4 - Hospital Committee Meeting

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des Hospital Committee Meetings, der obersten Verwaltungsinstanz der Klinik. Dazu gehören das Gesundheitsministerium, der Bezirk und das Dorf. Die Klinikleitung muss mit diesem Komitee alle Entscheidungen abstimmen. Dies betrifft, bis hin zur Strategie der Klinik, alle Einstellungen und Beschaffungen, die über einem bestimmten Satz liegen. Aus Termingründen hat die letzte Sitzung schon vor fast anderthalb Jahren stattgefunden, daher gibt es einen großen Entscheidungsstau.

Morgens wurden die letzten Vorbereitungen für das Meeting getroffen. Zu Checkpad MED habe ich noch schnell ein kleines Flugblatt entworfen. Es gibt verschiedene Internetprotokolle und wir nutzen in Deutschland meist die Version 4. In Nepal vergibt der Server anscheinend nur die Version 6. Da gab es also etwas zu konfigurieren, damit alles funktioniert. Aber glücklicherweise konnte David Leuschner das WLAN-Problem noch rechtzeitig aus der Ferne lösen.

 
 
OP-Saal

Das Meeting begann dann am Nachmittag etwas verspätet und sehr chaotisch. Der Vertreter des Trusts, der das Krankenhaus betreibt, musste genau zu Beginn des offiziellen Meetings schon wieder zu einem anderen Treffen. Der Vertreter des Gesundheitsministers war bei einer Rede des Ministers in Kathmandu anwesend, so dass er erst nach deren Ende losfahren konnte und eine dreiviertel Stunde zu spät kam. Es waren also zu keinem Zeitpunkt alle Teilnehmer anwesend. Zuerst wurde das Krankenhaus ausführlich vorgestellt, da die meisten Teilnehmer das erste Mal dabei waren. Bei dem anschließenden Rundgang durch das Krankenhaus wurden auch alle technischen Bereiche, wie Frischwassergewinnung, Abwasserversorgung, Notstromaggregate, Werkstatt, gezeigt.

Dann wurde besonders auf die Probleme für ausländische Ärzte hingewiesen. Es gibt wohl viele indische Ärzte, die illegal in Nepal arbeiten. Um diesem Problem entgegenzuwirken, ist das Verfahren, um hier als Arzt arbeiten zu können, sehr aufwändig, langwierig und teuer. Oft ist es selbst bei einem dreiwöchigen Aufenthalt bei der Ausreise noch nicht abgeschlossen. Dies trifft natürlich auch alle Non-Profit-Krankenhäuser. Die Kosten der Arbeitserlaubnis sind so hoch, dass eine nepalesische Familie davon lange leben könnte. Diesem Thema will man sich im Gesundheitsministerium in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsministerium annehmen.

Um die Versorgung von Verbrennungspatienten allgemein zu verbessern, will das Krankenhaus eine Grundweiterbildung in allen von der Regierung und dem Bezirk betriebenen Krankenhäusern anbieten. Heute besteht die typische Versorgung in einem Krankenhaus leider meist darin, dass dem Patienten gesagt wird, er solle nach Kathmandu fahren. Wohin in Kathmandu ist dabei meist unklar. Oft landen die Patienten in privaten Krankenhäusern, die keine Erfahrung mit Verbrennungspatienten haben, aber hohe Kosten verursachen. Da bei der Versorgung von Verbrennungen aber gerade die erste Zeit entscheidend ist, besteht hier dringender Handlungsbedarf.

Die Vorbereitungen für das Camp laufen auf vollen Touren, überall werden Kisten gepackt. Morgen Abend sollte dann alles soweit sein, dass der Bus beladen werden kann.


Tag 3 - Erstes Checkpad MED in Nepal

Heute war der erste normale Arbeitstag. Das Krankenhaus ist komplett belegt, so dass die Visite recht lange dauerte. Es war sehr schön die bekannten Ärzte, Pflegekräfte und administrativen Mitarbeiter wieder zu sehen. Zur Begrüßung wurden wir ganz herzlich von ihnen umarmt.

Das Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie (MKG) -Team hat in einer aufwendigen achtstündigen OP eine Kiefer-Gaumen-Spalte plastisch gedeckt. Ich habe dann die ersten Schritte unternommen, um die Server hier ins Netz zu bekommen. Das Team war sehr hilfreich und nach ungefähr drei Stunden hatte ich die ersten Daten auf dem iPad. David Leuschner aus Freiburg hat am Sonntagmorgen schon vor dem Frühstück die ersten Tests zur Performance der Server unternommen. Leider ist das WLAN recht instabil, so dass die Server noch unzuverlässig erreicht werden. Daran werden wir in den nächsten Tagen arbeiten.

Am Nachmittag hatten wir eine lange Besprechung mit der Krankenhausleitung, da am Montag eine sehr wichtige Sitzung mit den Trägern des Krankenhauses stattfindet. Viele wichtige Entscheidungen werden dann getroffen. Um gut vorbereitet zu sein, wurden alle Punkte ausführlich ausdiskutiert. Ich werde dort auch kurz die neue IT vorstellen.

Zum Abendessen hat uns Jürgen Hussmann Menü mit Schweinefilet, Gorgonzolasauce, gebratenen Pilzen, Nudeln und diversen Salaten gezaubert. Wir waren alle tief beeindruckt. Wie immer hat das Team danach gemeinschaftlich abgewaschen.


Tag 2 - Ausflug mit Hindernissen

Der Samstag ist in Nepal ein arbeitsfreier Tag, so dass im Krankenhaus keine Operationen stattfanden. Am Morgen haben wir uns mit vielen Leuten aus der Administration getroffen und die nächsten Tage besprochen. Gegen Mittag haben wir uns dann mit Herrn Dr. Hussmann, ein Professor für Mund-Kiefer-Gaumen-Operationen, und Hein Stahl auf den Weg in ein ca. eine Stunde entfernt liegendes Dorf gemacht. Die Fahrt war wieder einmal ein kleines Abenteuer. Da es am Tag zuvor geregnet hatte, waren einige Teile des Weges, denn Straße konnte man diese Strecke wirklich nicht nennen, mit Schlammpfützen übersäht. Und so kam es wie es kommen musste. Wir blieben mit dem Auto stecken. Erst das mehrmalige Zurücksetzen und ein neuer Versuch mit sehr viel Gas und mutigem Lenken haben uns dann wieder weitergebracht. Hein wurde daraufhin in Hein Röhrl umbenannt. Ich machte mir langsam Sorgen um das Dach des Pick-ups, da wir mehrfach Schlaglöcher erwischten, die tiefer als 30cm waren und ich mit großer Wucht mit dem Kopf gegen das Dach gestoßen bin.

Vom Gipfel des Berges aus, wo sich ein Hotel mit Restaurant befindet, hatten wir einen wunderschönen Blick. Bei idealem Wetter kann man von dort auch den Mount Everest sehen.

Zurück im Krankenhaus angekommen, sahen wir uns eine Frau mit einer Verletzung beider Ellenbogen (Busunfall) an. An der rechten Hand war die Sensorik praktisch ausgefallen, so dass für den nächsten Tag die Freilegung der Nerven eingeplant wurde.


Flug

Tag 1 - Anreise

Vor dem Abflug nach Kathmandu fuhr ich am Donnerstag kurz nach 16:00 Uhr, nach dem letzten Termin auf der Medizin-IT Messe conhIT, ins Büro um dort noch die letzten Dinge zusammenzupacken. Dazu gehörte auch das Computersystem für Nepal. Zu Hause habe ich dann noch die letzten Sachen im Koffer verstaut und mit der ganzen Familie zu Abend gegessen. Im Anschluss brachten mich meine Frau und unsere drei Kinder zum Flughafen.

Am Flughafen erwartete mich Herr Dr. Hussmann schon in der Lounge und wir warteten gemeinsam auf den Abflug nach Abu Dhabi. Der Flug war sehr entspannt.  Wir hatten ein tolles Team von Stewardessen, mit denen wir viel lachen konnten. Nach einem vierstündigen Aufenthalt in Abu Dhabi, ging es weiter nach Kathmandu. Vor der Landung musste das Flugzeug noch einige Warteschleifen über dem Flughafen fliegen. Neben der Landebahn stand noch die Anfang März verunglückte Turkish Airlines Maschine. Deren Logo war allerdings schon übermalt , wie es bei verunglückten Maschinen üblich ist.

Ankunft

Hein Stahl holte uns vom Flughafen ab und wir waren für einen nepalesischen Tee im Kanipur Temple House, einem der luxuriösesten Hotels der Stadt. Danach tauchten wir dann wieder in die Realität ein und fuhren bei Regen im Feierabendverkehr zum Krankenhaus.
Dort kamen wir pünktlich zum Abendessen an. Zurzeit ist ein Team aus dem Bereich Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, ein Anästhesist und eine Krankenschwester aus Deutschland vor Ort. Nach dem Essen wurden wir noch zu einer Patientin gerufen, die sich mit Kerosin verbrannt hatte. Über 80% ihrer Körperoberfläche waren betroffen. Es war beängstigend wie ruhig alles war. Ohne Geräte und Piepen, ohne Infusion etc. lag sie auf einer Trage in Verbände eingewickelt. Sie sollte zur Intensivtherapie in ein anderes Krankenhaus weitertransportiert werden. Leider liegen ihre Überlebenschancen bei fast 0%, obwohl sie voll ansprechbar war.