Blog: Nepal Frühling 2016

Tag 10 - Donnerstag, 07. April

Heute sind wir sehr früh in die Stadt gefahren, um uns mit unserer Arbeitsgruppe für die Verbrennungsstudie in Nepal zu treffen. Gemeinsam sind wir dann in das Kirtipur Hospital gefahren um eine Probedatenerfassung für die Studie zu machen. Insgesamt waren wir 12 Leute.

Nach einer Einführung durch den extrem agilen Chefarzt, der unter Anderem in den USA und dem UK gearbeitet hat, haben wir die gesamte Klinik anschauen dürfen. Das Behandlungsspektrum ist dem Spektrum unseres Krankenhauses sehr ähnlich. Von 15 plastischen Chirurgen in Nepal arbeiten alleine sieben in dieser Klinik, die aktuell gerade drei Jahre alt ist. Die Ausstattung wurde von großen Firmen wie Storz (Endoskopie) finanziert. Der Chefarzt hat auch eine Biogasanlage eingeführt, mit "man-dung" statt "cow-dung". Dieses hat während der Energiekrise dazu geführt, dass der gesamte Strom (auch Solarzellen) für die Intensivstationen und den OP produziert werden konnte. Insgesamt wird versucht, das Krankenhaus in eine Medizinische Fakultät auszubauen. Die Lehrgebäude werden gerade eingerichtet.

Insgesamt ist die Aktenhaltung inkl. digitaler Dokumentation von Post Burn Contractures und Cleft (Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten) sehr gut. Allerdings sollte die Erfassung ja ein Test für ein „normales“ Krankenhaus sein. Das ist leider komplett schiefgegangen. Die Analyse der Akten dort hat ergeben, dass sowohl zur Anamnese, als auch zur Therapie alle gewünschten Daten vorhanden waren.

Gegen Mittag sind wir schon wieder zurück in unser Krankenhaus gefahren (der Verkehr war trotz Energieknappheit irre), da wir für 15:00 Uhr die Inbetriebnahme von Checkpad MED in Nepal geplant hatten. Wir haben die Funktionalitäten noch einmal erklärt und haben dann sechs Geräte ausgegeben. Die zur Zeit freigeschalteten Funktionalitäten sind die Aufnahme, Verlegung und Entlassung von Patienten, die Nutzung der Übersichtsseite und die Möglichkeit Fotos von Dokumenten zu machen, die dann in der Krankenakte einsortiert werden. Die wichtigste Funktion ist natürlich die Aufnahme von Fotos bei Aufnahme, im OP, im Verbandszimmer und bei Entlassung. Wir glauben, dass wir damit das modernste System in Nepal haben.

Abends sind wir dann mit Trudi zum Flughafen gefahren, um Hein zu verabschieden. Anschließend waren wir bei einem Tempel einige kleine Geschenke kaufen und haben dann Trudi als Dank für die sehr nette Betreuung in einem der besten Hotels in Kathmandu zum Essen eingeladen. In tiefschwarzer Nacht kamen wir dann wieder im Krankenhaus an.


Tag 9 - Mittwoch, 06. April

Heute war der erste Tag, an dem wir mit dem gesamten Erfassungsteam zusammensitzen sollten. Schon früh am Morgen fuhren Hein, Jürgen und ich in ein Restaurant nach Kathmandu. Es gibt in der Stadt eine weiterhin recht abenteuerliche Straße. Diese wird nicht repariert, weil die Sorge besteht, den Status als Weltkulturerbe für die direkt daneben liegende Tempelstädte zu verlieren. Deshalb geht es dann durch tiefe Schlaglöcher und Wasserlöcher voran. Der Land Rover macht das jedoch immer wacker mit.

Nach dem Frühstück des Teams wurde dann die gesamte Studie noch einmal vorgestellt und die Erfasser wurden in das Thema Verbrennungen (Entstehung, Arten, Therapie) eingearbeitet. Dann wurden alle Fragen diskutiert und erklärt. Da die Veranstaltung ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch in Nepali abgehalten wurde sind wir mit Hein einkaufen gefahren. Es wurden Edelstahlschrauben für einen Wassertank benötigt. Es war sehr interessant, die Suche nach den passenden Schrauben zu beobachten. Anschließend sind wir zum Mittagessen in das Restaurant gefahren, in dem Hein vor einem Jahr das Erdbeben erlebt hat. Er konnte uns sehr anschaulich vom gesamten Ablauf berichten. Wir sind auch die Strecke abgefahren, die er dann nach dem Erdbeben mitten durch die Altstadt von Thamel genommen hat. Die anderen Straßen waren durch umgestürzte Strommasten blockiert. Viele Häuser und Mauern sind seitdem nicht repariert worden.

Am Nachmittag haben wir dann die finale Version von Checkpad MED mit der Leitung des Krankenhauses abgestimmt. Die Krankenakte wurde in der Struktur finalisiert und alle User sind angelegt. Morgen soll das gesamte System an die Ärzte übergeben werden.

 
 

Tag 8 - Dienstag, 05. April

Heute wurde ein Patient operiert, der sich schon einige Tage in unserem Krankenhaus aufhält. Er hat eine recht ausgeprägte Neurofibromatose. Diese Krankheit ist eigentlich gutartig, kann aber zu sehr großen Hautwucherungen führen. Gerade wenn sie am Kopf sind (wie bei unserem Patienten) sind diese doch recht störend. Insgesamt wurden in mehr als sechs Stunden etwa 11 kg Gewebe entfernt. Der Patient hat die Operation sehr gut überstanden.

Weiterhin haben Jürgen Hußmann und ich die Fragebögen für unsere Studie noch einmal sehr intensiv überarbeitet. Das war doch mehr Arbeit für uns, als wir gehofft hatten, v. a. beim finalen Layout und Einarbeiten der Grafiken.

 
 

Mädchen

Tag 6 - Sonntag, 03. April

Den Morgen habe ich damit verbracht alle iPads und iPods dauerhaft ins WLAN zu bekommen. Mit dem zuständigen externen Mitarbeiter war ich dazu verabredet. Mittags war es dann soweit: fünf iPads und drei iPods waren mit unserem Server verbunden und konnten Daten austauschen. Der nächste Schritt ist dann das finale Customizing für das erste Jahr der Routinenutzung. Wir wollen Fotos im OP und vom Verbandswechsel machen und bestimmte Dokumente per Foto in der Krankenakte einsortieren. Mit wenigen Formularen sollen dann erstmals digital Daten erfasst werden.

Auf dem Foto ist ein Mädchen zu sehen, dass vor einem Jahr beim Erdbeben eine Fraktur des Unterschenkels erlitten hatte und nun zur Implantatentfernung kam. Weiterhin sind Hein Stahl (Technischer Leiter, Interplast), Jaswan Shakya (Ärztlicher Direktor) und Jürgen Hußmann zu sehen.

Den Nachmittag haben wir dann damit verbracht jede Frage des Studienprotokolls noch einmal durchzugehen und die Argumentation für das nächste Treffen mit den Mitarbeitern des Teams vorzubereiten.

Das Abendbrot bestand aus sehr leckeren Kartoffelpuffern mit frisch zubereitetem Apfelmus. Da geht ein ganz besonderer Dank an Trudi.


Tag 5 - Samstag, 02. April

Der Samstag ist eigentlich der freie Tag in Nepal. Wir waren jedoch morgens in Kathmandu mit dem Team unserer Verbrennungsstudie verabredet. Ziel der Studie ist eine Erfassung der Situation in Nepal. Wir wollen wissen, wie häufig in welcher Region welche Art von Verbrennungen vorkommen und wo und wie diese behandelt werden. Dazu wurden zehn repräsentative Kliniken ausgewählt und an diesen sollen die Krankenakten der letzten fünf Jahre durchgesehen werden. Pro Fall sollen Anamnese, Diagnostik und Therapie sowie das Outcome erfasst werden. Zusätzlich sollen sechs Monate prospektiv in diesen Kliniken alle neuen Fälle noch ausführlicher erfasst werden, da dann auch die Patienten zu Ihren Erfahrungen und der häuslichen und familiären Situation befragt werden können. Weiterhin sollen in den Kliniken Diskussionsrunden mit Fokusgruppen (Patienten, Ärzte, Pflegepersonal, etc.) strukturiert durchgeführt werden, in denen dann die Situation in der Region aufgearbeitet wird.

Teilnehmer waren Ärzte, Vertreter des Krankenhauses, des Gesundheitsministeriums und der Universität sowie die Mitarbeiter, die die Erfassung vor Ort durchführen sollen. Jürgen Hußmann und ich hatten das gesamte Studienprotokoll und die Erfassungsbögen kritisch durchgesehen und eine Reihe von Anmerkungen zum Ablauf. Diese sollen in das Protokoll einfließen. Durch eine aus unserer Sicht unbedingt notwendigen minimalen Follow-up-Zeit wird sich die Studiendauer verlängern. Jede einzelne Frage der Erfassungsbögen soll in der kommenden Woche noch einmal ausführlich diskutiert werden.

Am Samstag war auch das Jahresfest der Klinik. Dort sind wir dann aus Kathmandu hingefahren. Leider war der Ort ein anderer, als vorher angegeben, sodass wir etwa eine Stunde nach der Feier, die im Freien auf einem Berg stattfand, gesucht haben. Mehr durch Zufall haben wir oben auf einem Berg den Bus des Krankenhauses gesehen und so dann die Straße zum Fest gefunden.

Auf dem Rückweg sind wir noch einmal durch Sankhu gefahren und haben uns die Schule angesehen, bei der ein Gebäude durch das Erdbeben so stark beschädigt war, dass es nicht mehr genutzt werden kann.


Tag 4 - Freitag, 01. April

Am Morgen war das Internet wieder nicht verfügbar, so dass ich mit in den OP ging. Jürgen Hußmann hat einen Patienten versorgt, der einem Wildschwein in die Quere gekommen war. Die Hauer hatten mehrere tiefe Wunden in den Beinen hinterlassen.

Am Nachmittag liefen wir dann nach Sankhu. Es war sehr deprimierend zu sehen, wie viele Häuser zerstört worden sind. Mit dem Aufbau wird langsam begonnen, dieser ist jedoch in Gruppen eingeteilt und nur die "Prio A" darf schon starten. Sehr viele Menschen leben weiterhin in Behelfsunterkünften, die meist aus Blechhütten bestehen. Aber es gibt auch immer noch Zelte. In der Stadt gibt es viele Menschen, die den Schutt wegräumen oder den Mörtel von den Steinen abklopfen. Es ist wohl noch ein sehr langer Weg, bis Sankhu wieder komplett aufgebaut ist.

Abends sind wir dann mit Uta, die zum Training (sie ist sehr aktive Triathletin) ein Mountainbike in Kathmandu leihen wollte, in den Stadtteil Thamel gefahren. Vor den Tankstellen waren wieder lange Schlangen, der Verkehr jedoch so wie in den letzten Jahren. Alle fahren durcheinander, es wird viel gehupt und irgendwann kommt man trotzdem an. Wir waren verwundert, als wir sahen, dass in Thamel fast noch alle Häuser standen. Die Gassen der Altstadt sind sehr eng und die Häuser scheinen sich in Richtung Gasse zu lehnen. Da die Erde hier immer noch fast jeden Tag etwas wackelt (Erdbeben zwischen 4 und 5), war ich froh, als wir nach einem Spaziergang von etwa einer Stunde die engen Straßen wieder verlassen hatten.


Tag 3 - Donnerstag, 31. März

Die Server waren jetzt das erste mal wieder so lang an einem Stück mit dem Netzwerk verbunden, dass die aktuelle Version von Checkpad installiert werden konnte. Das war recht aufwändig.

Im Krankenhaus sind aktuell sehr viele Patienten. Mittlerweile werden immer mehr Patienten mit Verbrennungen oder Missbildungen schnell von anderen Kliniken überwiesen. Ein Team aus Dresden und Ludwigshafen aus dem Bereich Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ist angekommen, das die Aufgabe hat, viele Kinder mit Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten zu operieren, wofür nun freie Betten geschaffen werden mussten. Dies war eine Herausforderung, denn die Patienten gehen generell nicht gerne schnell nach Hause.

Am Abend machten Jürgen Hußmann und ich den ersten Ausflug nach Sankhu, der Nachbarstadt, die im letzten Jahr sehr stark vom Erdbeben betroffen war. Der Himmel zog sich jedoch immer weiter zu, begleitet von Blitz und Donner, so dass wir schnell wieder den Heimweg antraten. Trotzdem haben wir viele, immer noch, zerstörte Häuser gesehen.


Gruppe

Tag 2 - Mittwoch, 30. März

Meine Aufgabe bestand am Mittwoch vor allem darin, unsere Software Checkpad MED wieder zum Laufen zu bringen. Nach der Frühbesprechung und der Morgenvisite habe ich die Server wieder hochgefahren. Das gesamte Netzwerk wurde verändert, so dass alle Geräte in das WLAN neu eingebunden werden mussten. Nachdem die ersten iPads und iPods wieder online waren, waren viele Updates nötig. Da im Moment Richtung Kathmandu die Straße verbreitert wird, zerstören Bagger regelmäßig die Glasfaserkabel. So ist das Internet nur sehr unzuverlässig verfügbar. Pausen von bis zu 12 Stunden sind keine Seltenheit. Bei mehreren Gigabyte Updates (Betriebssysteme, Serversoftware, iPad-Software) war sehr viel Geduld gefragt.

 
 

Tag 1 - Anreise

Am Ostermontag habe ich mich abends mit Dr. Jürgen Hußmann am Flughafen Tegel getroffen. Gegen 22:00 Uhr sind wir dann nach Abu Dhabi geflogen. Nach ca. 5 Stunden Aufenthalt ging es weiter nach Kathmandu. Dort wurden wir von Hein Stahl und Dr. Bandari abgeholt.

Auf dem Weg in die Klinik sahen wir vor den Tankstellen viele hundert Meter lange Schlangen. Die Wartezeit für das Tanken beträgt bis zu 24 Stunden. Der Grund dafür ist, dass der Präsident von Nepal in China zu einem Staatsbesuch war. Als Folge hat Indien den Transport von Gas und Benzin nach Nepal wieder einmal gedrosselt. In der Klinik angekommen (19:00 Uhr) wurden wir von zwei Zahnärztinnen, einer Anästhesistin und Trudi Reske begrüßt. Nach dem Abendessen sind wir recht müde ins Bett gefallen.