Nepal-Blog: Herbst 2014 – Teil 2

Tag 8 – Sonntag, der 22.11.2014 – OP Tag

Montag war fast schon ein Routinetag. Nach dem Frühstück ging es mit dem Bus ins Krankenhaus, alles war aufgebaut und wir konnten sofort loslegen. Die ersten zwei Stunden verbrachten Dr. Hussmann und ich in der Ambulanz und haben uns Patienten angesehen. Das erste Mal im Leben habe ich ein Kind mit einem Tierfellnävus gesehen, der mehr als das halbe Gesicht bedeckte. Weiter ging es dann im OP. Wir haben einige Narbenkorrekturen gemacht aber auch ein kleines Mädchen mit einer Osteomyelitis im Knie behandelt. In diesem Fall haben wir unter Vollnarkose einen Fistelgang nach außen erweitert und Material für die Mikrobiologie gewonnen.

Nach OP-Ende sind wir wieder zu Fuß ins Hotel gelaufen. Unsere Kollegen aus Nepal konnten das nicht verstehen und wunderten sich über uns, als sie uns mit dem Bus überholten. Anschließend gönnten wir uns ein Bier auf dem Dach des Hotels und genossen den Sonnenuntergang über den Bergen. Abends saßen wir dann mit dem Team am Lagerfeuer und erzählten uns Witze. Es war dabei für mich sehr interessant, den nepalesischen Humor kennenzulernen. Gerade die Arztwitze sind den deutschen sehr ähnlich.

Tag 9 – Montag, der 23.11.2014 – Letzter Camptag

Heute war der letzte Tag im Camp. Wir hatten sehr viel zu tun. In einem OP mit zwei Tischen haben wir 41 Patienten operiert. Da im Kreissaal nebenan eine Geburt nicht voranging, konnten wir an einem der beiden Tische nicht gleich operieren. Stattdessen sollte auf dem Tisch eine Sektio stattfinden, aber das Baby ist dann doch noch auf natürlichem Wege zur Welt gekommen.

Insgesamt haben wir (das gesamte Team) etwa 250 Patienten gesehen, ca. 70 wurden ins Krankenhaus überwiesen und etwa 80 Patienten vor Ort sofort operiert. Es war wirklich beeindruckend, was das Team (von der Reinigungskraft über die Schwestern, Administration, Sterilisation und die Ärzte) geleistet hat.

Wir sind nach dem Abbau des Camps wieder zu Fuß zum Hotel gelaufen und wurden teilweise von einer ganzen Schulklasse begleitet. Sie konnten sich vor Lachen kaum halten, als sie uns sahen. Einige sprachen etwas englisch, so dass wir einiges über ihren Tagesablauf erfahren konnten. Im Hotel konnten wir endlich wieder einmal warm duschen und uns dann frische Kleidung anziehen. Ein ganz anderes Gefühl!

Abends wurde vor unseren Augen im Hof des Hotels eine Ziege geschlachtet und anschließend gegrillt. Die Bilder sende ich besser nicht. Mit dem Team hatten wir dann eine kleine Abschiedsfeier, bevor es zum Abendbrot noch einmal indisch gekochten Reis mit Hammel gab. Morgen früh geht es um 5:00 Uhr zum Flughafen. Die Fahrt dauert etwa 6h und um 13:30 Uhr geht der Flieger zurück nach Kathmandu.

Tag 10 – Dienstag, der 24.11.2014 – Rückflug zum Krankenhaus

Nach dem Abschiedsfest gestern, haben wir gepackt und sind heute früh um 4:30 Uhr aufgestanden. Punkt 5:00 Uhr fuhren wir planmäßig im Dunklen mit unserem Fahrer nach Dhandghadi zum Flughafen. Der Flugplatz in Dipayal war nach der Zerstörung durch die Maoisten bisher noch nicht wieder aufgebaut worden. Schon zu dieser frühen Stunde waren viele Menschen zu Fuß unterwegs. Nach ca. 2,5h legten wir in einem kleinen Dorf eine Pause ein und frühstückten dort. Für fünf Tee mit Milch und zwei Teller mit frittiertem Gemüse haben wir 95 Rupien bezahlt. Das entspricht ca. € 0,80. Daran sieht man, wie arm die Menschen hier sind.

Die Fahrt ging weiter durch das Terai bis wir um kurz nach 10:00 Uhr am Flughafen ankamen. Er war noch geschlossen. So vertrieben wir uns die Zeit mit Lesen. Im Restaurant des Flughafens haben wir dann etwas getrunken und gegessen, bis um 13:30 Uhr der Flieger abheben sollte. Nach mehrfachen Kontrollen ohne Röntgen starteten wir um 14:30 Uhr mit Buddha-Air. Wir sind ca. eine Stunde entlang des Himalayas nach Osten geflogen und haben z. B. das Annapurna-Massiv gesehen.

Ich hatte den Eindruck, in Höhe der Gipfel zu fliegen, denn wir konnten von oben auf die Wolken schauen, die sich etwa auf halber Höhe zwischen den Berggipfeln und dem Tal befanden. Das war sehr, sehr beeindruckend.

Nach der Landung am nationalen Flughafenterminal in Kathmandu, ging es zurück zu unserem Ausgangspunkt dem SKM-Krankenhaus. Da gerade eine Asienkonferenz in Nepal stattfand, durften nur Fahrzeuge mit geraden Autokennzeichen fahren. Damit war der Verkehr ganz anders als vor einigen Tagen auf dem Weg vom Flughafen zum Hospital. Die Ankunft dort war ein wenig wie nach Hause kommen: Wir konnten wieder den Luxus eines eigenen Zimmers (während des Camps haben Dr. Hussmann und ich ein Zimmer geteilt) und einer meist funktionierenden warmen Dusche genießen. Am Abend wurde dann wieder selbst gekocht: Kassler und Wurst sowie Tomaten- und Gurkensalat.

Tag 11 – Mittwoch, der 25.11.2014 – Kathmandu

Wegen der Asien-Konferenz sind weiterhin viele Bereiche in der Stadt abgesperrt. Da die Mitarbeiter nur schwer zum Krankenhaus kommen, war heute OP-frei. Wir sind daher gleich nach dem Frühstück mit dem öffentlichen Bus (ca. 20 Plätze und ca. 40 Passagiere) nach Kathmandu gefahren. Die Fahrt war recht abenteuerlich und eng. Da der Bus natürlich auch durch die tiefen Schlaglöcher fuhr wurden wir kräftig durchgeschüttelt.Wegen der Asien-Konferenz waren weiterhin viele Bereiche in der Stadt abgesperrt und man kann nur schwer von einem Ort zum anderen gelangen.

Weil die Mitarbeiter deshalb nicht zum Krankenhaus kommen konnten, fanden am heutigen Tag keine OPs statt. Wir sind daher gleich nach dem Frühstück mit dem öffentlichen Bus (ca. 20 Plätze standen für ca. 40 Passagiere zur Verfügung) nach Kathmandu gefahren. Die Fahrt war recht abenteuerlich und da der Bus natürlich auch durch tiefe Schlaglöcher fuhr, wurden wir kräftig durchgeschüttelt.

Als erstes haben wir eine Tempelanlage namens Pashupatinath besucht, welche direkt am Fluss Bagmati liegt. Zu der Tempelanlage gehören auch die Verbrennungsanlagen für die Toten. Eine riesige Anzahl kleiner Tempel rahmt diese ein. Die Toten werden, bei entsprechender Finanzlage der Familie, auf einem Holzfeuer verbrannt.

Sollte das Geld für das Holz nicht reichen, gibt es eine Gasverbrennung. Die Überreste werden dann in den Fluss gegeben und mit Blumen bestreut. Im selben Fluss baden im Sommer gleich daneben die Kinder. Wir haben beobachtet, wie jemand auf der anderen Flussseite sein Geschirr wusch. Gleichzeitig fanden Prozessionen mit bunt gekleideten Kindern statt und die Sadhu-Priester saßen auf den Stufen der Tempel. Das war wieder ein sehr prägendes Erlebnis.

Wir haben miterlebt, wie ein Toter auf einer Bahre zum Wasser transportiert wurde. Auf den Stufen rutschte dieser dann von der Bahre und wurde, ohne viel Aufheben wieder daraufgelegt und der Weg fortgesetzt. Während unseres Besuchsbefanden sich gerade vier Leichen im Verbrennungsprozess.

Auf dem Gelände gibt es auch noch ein Hospiz (gleich neben einer der Verbrennungsstätten) und ein Altenheim, welches vom Staat betrieben wird. Die Menschen dort besitzen meist nur die Kleidung, die sie tragen und Decken, mit denen sie schlafen. Es ist sehr ärmlich, die Leute machen jedoch keinen unzufriedenen Eindruck.

Anschließend sind wir durch die Stadt gelaufen und haben die Gassen und Straßen Kathmandus erkundet. An einer großen buddhistischen Gedächtnisstätte, der Stupa von Bodnath, waren wir dann einkaufen und haben mit Blick auf die Stupa zu Mittag gegessen. Am Nachbartisch saßen drei wahrscheinlich tibetische Mönche mit Smartphone in der Hand.

Für den Rückweg haben wir uns ein Taxi, von der Größe eines alten Fiat Panda, genommen. Wir waren zu viert und es war ziemlich kuschelig. Immer wenn Dr. Hussmann vor mir tief eingeatmet hat, drückten sich meine Knie in seinen Rücken. Immerhin konnten wir den Fahrpreis um ein Drittel herunterhandeln.

Lenni, der Patensohn von Dr. Hussmann, der hier als Musiktherapeut und gute Seele der Familie arbeitet, hat für uns nachmittags einen Apfelkuchen mit Streuseln gebacken. Abends haben wir wieder gekocht, es gab Gnocchi mit Gorgonzolasauce und Nudeln Carbonara sowie einen Tomatensalat.

Dieses Abendessen war auch gleichzeitig der Abschied von Dr. Petz, einem Zahnarzt aus der Nähe von Stuttgart. Mit ihm hatten wir im Camp sehr viel Spaß und ich freue mich schon, ihn bald in Berlin oder Schwaben wieder zu sehen.

Tag 12 – Donnerstag, der 26.11.2014 – Besuch aus der Schweiz

Am gestrigen Abend ist der Rest des Campteams spät, aber wohlbehalten nach der langen Fahrt wieder im Krankenhaus in Sankhu angekommen. Sowohl der OP als auch der Eingangsbereich standen dadurch voller Kisten.

Heute Morgen sind wir nach der Frühbesprechung und Visite gleich in den OP gegangen. Allerdings benötigte der Patient für eine Gesichtsrekonstruktion noch einen Röntgen-Thorax und ein Labor, so dass wir recht lange warten mussten, bis wir mit der OP starten konnten. Nach drei Stunden war Dr. Hussmann fertig. Außerdem waren heute die Vertreter einer Schweizer Organisation zu Besuch, die die Kosten für einige Investitionen übernehmen will. Diese Organisation betreibt z.B. Waisenhäuser in Nepal. In den letzten Jahren hat das Krankenhaus einige Kinder des Waisenhauses operiert, so dass die Schweizer Organisation auf die Klinik aufmerksam geworden ist.

Abends haben wir Bernhard und Nicole (Gynäkologen, die hier Frauen mit Uterusprolaps oder Inkontinenz behandeln) verabschiedet. Sie sind am nächsten morgen früh in ein Camp gefahren. So hat der Abend etwas länger gedauert.

Tag 13 – Freitag, der 27.11.2014 – Ausflug nach Bhaktapur

Der Samstag ist in Nepal ein arbeitsfreier Tag. Nach einem etwas späteren Frühstück (7:45 Uhr) mit gekochtem Ei, sind Dr. Hussmann, Lenni und ich eine Stunde zum Bus gelaufen, um dann noch einmal 45 Minuten nach Bhaktapur zu fahren. Da die Altstadt in weiten Teilen erhalten geblieben ist, war es ein echtes Erlebnis sie zu sehen.

Bhaktapur war eine der drei Königsstädte im Kathmandu-Tal und hat wundervolle Paläste und Tempel. Man kann sich dort viele Stunden aufhalten. Nach dem Einkauf von Gurkha-Messern, waren wir auf dem Dach eines der alten Gebäudes Essen.

Am frühen Nachmittag ging es dann (viel zu früh) in einem voll besetzten öffentlichen Bus (ca. 60 Insassen bei 20 Plätzen) zurück Richtung Sankhu. Eine weitere knappe Stunde Wanderung brachte uns wieder zum Krankenhaus.

Wir hatten nur kurz Zeit uns frisch zu machen, denn dann fuhren wir schon weiter in die Stadt, um mit einem Mitglied des Social Wellfare Concils (Teil der Regierung) und Ärzten des Krankenhauses Essen zu gehen. Die Stadt war wieder sehr voll und die Fahrt ein Abenteuer. Die Autos haben keine Versicherung und ein TÜV ist unbekannt. Wir waren in einem französischen Restaurant und das Essen war sehr gut. Die Anlage, in der sich das Restaurant befand, passt besser nach Südfrankreich als nach Kathmandu. Die Läden dort waren echte Luxusläden.

In der Nacht fuhren wir dann zurück zum Krankenhaus und passierten vier Polizeikontrollen, ohne angehalten zu werden.

Tag 14 – Samstag, der 27.11.2014 – Advent in Nepal

Zum Frühstück gab es eine kleine Überraschung. Ein Adventskranz stand auf dem Tisch, an dem die erste Kerze brannte. Ansonsten war wieder ein normaler Arbeitstag mit Frühbesprechung, Visite, Verbandswechsel etc.

Die gesamte klinische Tätigkeit hier findet praktisch ohne Computerunterstützung statt. Wir haben überlegt, ob es vielleicht sinnvoll wäre, hier Checkpad MED mit einem Zusatzmodul zu installieren. Ich habe mit einem der Ärzte eine komplette Prozessaufnahme der Dokumentation, von der Aufnahme bis zur Entlassung, gemacht. Jedes Formular wurde eingesammelt, alle Stellen begangen.

Jetzt werde ich versuchen, alle Prozesse zu dokumentieren und mit dem Team in Freiburg und Berlin besprechen, ob wir so etwas konfigurieren und in Nepal installieren wollen. Heute Abend findet das Abschiedsessen statt, da wir morgen schon wieder zurück nach Deutschland fliegen.

 

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