Nepal-Blog: Frühling 2017 – Teil 3

Tag 11 – Sonntag, der 26.03.2017

Um 07:00 Uhr war Treffen zum gemeinsamen Frühstück. Um 07:30 Uhr war dann der Abmarsch zum Krankenhaus. Dem Busfahrer wollten wir die Fahrt durch die extrem engen Straßen ersparen. Jürgen und ich haben sofort um kurz nach acht angefangen zu operieren. Zwischendurch haben wir noch Patienten gesehen, waren aber praktisch den ganzen Tag am Tisch.

Die Patienten hatten meist Kontrakturen nach Verbrennungen. Bei einem Jungen haben wir eine sehr ausführliche Plastik nach einer nekrotisierenden Fasciitis, die fast das gesamte linke Bein einnahm, durchgeführt. Neben einem Verschiebelappen haben wir auch zwei Vollhauttransplantationen bei ihm durchgeführt. Durch die Mobilisierung des in Fehlstellung fixierten Knies leidet der arme kleine Kerl wahrscheinlich starke Schmerzen und ist im hiesigen Krankenhaus zur Schmerzkontrolle für eine Nacht aufgenommen worden. Gegen 18:30 Uhr war dann Schluss und wir sind gerade noch bei Tageslicht zurück zum Hotel gelaufen.


Tag 12 – Montag, der 27.03.2017

Heute war ein reiner OP-Tag. Morgens um 06:30 Uhr klingelte der Wecker, bei Jürgen gab es kein warmes Wasser. Nach dem Frühstück sind wir zu Fuß ins Krankenhaus gelaufen. Ab ca. 08:15 Uhr haben wir dann operiert. Typische Fälle waren Narbenkontrakturen, Lipome oder Zysten.

Gegen 10:00 Uhr gab es ein kurzes Treffen mit der Leitung des Krankenhauses, an dem wir uns aufgehalten haben. Alle Ärzte des Krankenhauses und unser gesamtes Team haben sich vorgestellt und es wurden einige freundliche Worte gewechselt. Anschließend wurden wir gebeten einen Blick auf ein Neugeborenes zu werden. Der kleine Kerl hatte eine anale Fehlbildung und wahrscheinlich war auch im Bereich des Beckens etwas nicht in Ordnung. Wir haben Fotos gemacht, um diese an einen deutschen Kinderchirurgen zu senden, da wir mit dieser Art der Fehlbildung keinerlei Erfahrung haben.


Tag 13 – Dienstag, der 28.03.2017

Dieser Tag sollte der letzte für uns im Camp sein. Vor dem Frühstück haben wir also schon unsere Sachen gepackt. Da der OP abends abgebaut werden sollte, wurden nur noch einfachere Fälle in lokaler Betäubung operiert. Jürgen und ich haben dann an zwei Tischen parallel operiert und sind gegen Mittag nach der Verabschiedung vom Team zu unserem Hotel gelaufen. Dort wurden wir dann mit einem Auto abgeholt und zum Flughafen gefahren.

Ich habe schon viele Flughäfen gesehen: Dies war mit weitem Abstand der abenteuerlichste. Mit einem kleinen Flugzeug mit ca. 10 Sitzplätzen sind wir dann gestartet. Zwischen den Bergen haben wir langsam an Höhe gewonnen. Gefühlt waren die Berge rechts und links zum Greifen nahe. Die Wolken kamen, als wir auf Gipfelhöhe waren. Vorher hatten wir aber noch einen wunderbaren Ausblick auf hochliegende Bauernhöfe und schneebedeckte Gipfel. Schon nach ca. 30 Minuten sind wir dann in Nepalganj an der indischen Grenze gelandet. Dort waren 33 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit. Die gefühlte Temperatur betrug 42 Grad. Da unser Anästhesist mit an Bord war, hatten wir jemanden, der uns auf einen früheren Flug nach Kathmandu buchen konnte. Leider hatte der Flieger dann Verspätung. Die Zeit haben wir bei einem eiskalten Bier in der Kneipe des Flughafens verbracht.

Der Flug von Nepalganj nach Kathmandu ging wieder parallel zum Himalaja und die aus den Wolken herausschauenden Gipfel waren wieder wunderschön. Nach einer halben Stunde Warteschleife konnten wir dann in Kathmandu landen. Hein Stahl hat uns vom Flughafen abgeholt. Die kurze Überlegung in der Stadt noch zu Abend zu essen wurde schnell verworfen, da Trudi für uns Gulasch mit Kartoffelgratin und Gurkensalat gekocht hatte. Es war sehr lecker.


Tag 14 – Mittwoch, der 29.03.2017

Morgens haben wir, nach der Visite, der Krankenhausleitung sehr ausführlich vom Camp berichtet. Dann haben wir die weitere Planung bei Checkpad MED besprochen und uns weiter unserem Forschungsprojekt gewidmet. Mittlerweile hatten wir die Rohdaten der retrospektiven und prospektiven Patientenerfassung erhalten und haben uns die Ergebnisse für die einzelnen Variablen angeschaut. Nun müssen wir noch ein Modell für die Erfassung der Ergebnisse der Interviews entwickeln.

Am Nachmittag sind wir mit Bishwajeet Prajapati, dem administrativen Chef des Krankenhauses, nach Bhaktapur gefahren. Dort sind während des Erdbebens vor zwei Jahren mehr als 800 Menschen gestorben. Darunter waren auch Angehörige von Bishwajeet, die in Nachbarhäusern wohnten. Er hat uns sein Wohnviertel und die verschiedenen Teile von Bhaktapur gezeigt, die zum Teil sehr schwer zerstört waren.

Die allermeisten Häuser sind noch nicht wiederaufgebaut und die ehemaligen Bewohner wohnen noch in Blechhütten. Auch einige Tempel wurden zerstört und werden nun wieder rekonstruiert. Bei Häusern, die als Weltkulturerbe gelten und nicht mehr nutzbar sind, ist noch unklar, ob sie abgerissen werden können, um wiederaufgebaut zu werden, ohne den Status des Weltkulturerbes zu verlieren. Daher sind diese aktuell nur abgestützt und werden nicht repariert.

Anschließend waren wir noch bei Bishwajeet zu Hause eingeladen und haben seine Eltern, seine Frau und die beiden Kinder kennengelernt. Seine Frau hatte für uns sehr leckere nepalische Snacks zubereitet. Für das Team haben wir noch eine große, randvolle Schüssel leckersten Joghurts mitbekommen.

 

Da die Heimfahrt bei den aktuellen Straßenverhältnissen wieder nicht einfach war, wir Schräglagen von bis zu 15 Grad hatten und die Schlaglöcher ca. 30cm tief waren, landete ein Teil des Joghurts auf Jürgens Schuhen.


Tag 15 – Donnerstag, der 30.03.2017

Gleich morgens nach dem Frühstück sind wir (Dr. Jürgen Hussmann, Hein Stahl und ich) nach Kathmandu gefahren, um uns mit dem Deutschen Botschafter Meyer zu treffen. Da es in der Nacht heftig geregnet hatte, waren die Straßen noch etwas schlechter als sonst. In einigen Teilen ging es nur mit eingeschaltetem Allradantrieb durch den Matsch und die tiefen Pfützen. Wir sind immer wieder beeindruckt von der Leidensfähigkeit der Menschen, die sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Motorrad durch den Matsch kämpfen.

Obwohl wir mehr als zwei Stunden Fahrt eingeplant hatten, hat die Zeit dann genau gereicht. Nach mehreren Sicherheitskontrollen und Abgabe aller Taschen wurden wir eingelassen. In einem einstündigen Gespräch, haben wir dem Botschafter und dem für die Entwicklungshilfe verantwortlichem Mitarbeiter die Geschichte und aktuelle Situation des Krankenhauses nahegebracht. Da die Klinik in diesem Herbst 20 Jahre alt wird, haben wir ihn um ein Grußwort in der Broschüre und eine Rede bei der Jubiläumsfeier gebeten. Da Botschafter Meyer Mitte des Jahres in den Ruhestand geht, wird diese Bitte an seinen Nachfolger weitergetragen. Zusätzlich hat die Botschaft jedes Jahr ein Budget um Projekte zu unterstützen. Auch in diesem Bereich wollen wir uns bewerben. Weiterhin reisen wir im Herbst mit einer Gruppe unserer Rotarier (Unterstützer des Krankenhauses) zur Feier nach Sankhu. Wir würden uns da auch gerne mit dem Botschafter treffen, um etwas über die offizielle Rolle Deutschlands in Nepal zu lernen.

Nach diesem erfolgreichen Treffen waren wir mit Hein Stahl in der Pizzeria Fire and Ice. Hier war Hein während des Erdbebens und es gehört zum therapeutischen Programm jedes Jahr einmal dort zu essen und das Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen.

Anschließend haben wir uns mit unserem Research-Team zur Abschlussbesprechung getroffen. Wir hatten die Rohdaten analysiert und einige Fehler gefunden. Weiterhin mussten wir noch ein System zur Analyse der Interviews entwickeln. Die weiteren Punkte waren das Follow-up und die Idee einer Populationsbasierten Studie.

Da wir im Herbst mit einer großen Gruppe nach Nepal kommen wollen, haben wir noch einige Hotels in Kathmandu und der Nähe des Krankenhauses angesehen. Im Krankenhaus hatte Trudi ein sehr leckeres Abschiedsessen gekocht. Der erste Gang waren Datteln im Salamimantel.

 


Tag 16 – Freitag, 31.03.2017

Morgens nach der Frühbesprechung haben wir (Dr. Hussmann und ich) uns zusammen gesetzt um mit Hein Stahl und Trudi Reske die Planung für das 20-jährige Jubiläum im Herbst zu besprechen. Viele Dinge sind zu bedenken: Gibt es ein wissenschaftliches Beiprogramm? Wer wird eingeladen? Wo findet die Feier statt? Wer sitzt wo? Wann gibt es welches Catering?, etc.. Dann sind wir das ganze Gelände abgelaufen um genauer abzuschätzen, wo wer platziert werden könnte. Bis das Programm steht ist noch einige Abstimmung notwendig.

Weiterhin haben Jürgen und ich die Reise unseres Rotary-Clubs zur Feier geplant. Wir haben begonnen Angebote für Busfahrten einzuholen und die Fahrtstrecken abgeschätzt. Mittlerweile haben wir eine recht genaue Vorstellung vom Ablauf.

Mittags, nach dem Packen der Koffer, hat Michael die Checkpad-Version, die jetzt live läuft, den Ärzten vorgestellt. Wir haben realisiert, dass eine Kopie aller Daten als Backup in der Google-Cloud liegt. Damit gehen Daten und Fotos auch dann nicht mehr verloren, wenn die Festplatten in den Rechnern in der Klinik ihren Geist aufgeben. Ein weiterer Vorteil ist, dass auch Ärzte mit Androidgeräten jederzeit auf Daten zugreifen können.

Zum Abschied hatte Trudi noch einen Kuchen für uns gebacken. Gegen 16:00 Uhr sind wir dann mit Hein nach Kathmandu gefahren. Wegen der Straßenlage haben wir viel Puffer eingebaut. Traditionell sind wir dann ins Hotel Dwarika für einen Abschiedstee gefahren. Zu unserer großen Freude haben wir dort Christiane und Albert (zwei Anaesthesisten aus Villingen-Schwenningen) getroffen, die auf dem Rückweg von Buthan noch einen Sicherheitsstop in Kathmandu eingelegt hatten. Nach einem gemeinsamen Tee war dann aber tatsächlich das Abschiednehmen notwendig.

Das Einchecken am Flughafen war dann recht problemlos und wir haben in der Lounge noch ein Bier getrunken. Überpünktlich hat der Flieger nach Abu Dhabi dann abgehoben. Nach einem Aufenthalt von 2,5h ging es dann weiter nach Berlin. Um 7:00 war die Landung und (Gepäck bei Airberlin ist ja gerade kompliziert) gegen 8:00 hatte ich dann meinen Koffer und konnte mit meiner Familie nach Hause fahren.